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Filmkritik: Captain Marvel (USA 2019)

Nach dem letzten Avengers-Film hieß es mancherorts, Thanos gebe dem Marvel-Universum einen Sinn. Eigentlich sollte das aber wohl Captain Marvel sein.

Im neuesten Marvel-Superheldenfilm von Brie Larson verkörpert, gehört die Figur von Captain Marvel ja eigentlich eher zu den Stiefkindern der Superheldenfamilie. Ursprünglich ein als Kree-Spion auf die Erde geschickter Mann, der auch dank einer Erdenfrau die Seiten wechselt – Carol Danvers – die nach dessen Tod zum neuen Captain Marvel wird. So zumindest eine der Entstehungsgeschichten, die in den letzten zehn Jahren in Trickfilmvariationen der Avengers erzählt wurde.

Der Film von Anna Boden und Ryan Fleck erzählt eine andere Geschichte, auch weil ihr Captain Marvel von Beginn an eine unabhängige starke Heldin sein soll – und nicht bloß eine Frau, die an die Stelle eines Mannes tritt. Überhaupt ist Captain Marvel ein Film der starken Frauen geworden. Neben der Hauptfigur noch die von Annette Benning verkörperte Kree-Wissenschaftlerin Mar-Vell. (Die Betonung ist wichtig, sonst hieße die Figur ja wie der Comic-Verlag, der sie produziert. 🙂 ) Oder auch die Ex-Pilotin Maria Rambeau (Lashana Lynch), die quasi als normale, nicht mit Superkräften ausgestattete Frau ihre Frau stehen darf.

Daneben ist Samuel L. Jackson als Nick Fury praktisch nur noch ein lustiger Stichwortgeber, auch wenn Jackson diesen etwas anderen Fury zu spielen, zu genießen scheint. Der Film spielt in den 1990ern, zeigt also einen jungen Fury, der noch nicht an der Spitze von S.H.I.E.L.D. steht, sondern sich seine Sporen noch verdienen muss. Und wahrscheinlich auch seine Coolness, so mancher Lacher des Films basiert auf dem Spiel mit dem bekannten Fury, der plötzlich in Babysprache ganz begeistert mit einer Katze zu sprechen beginnt. Das ist am Anfang ganz witzig, aber im Laufe des Film verliert es doch schnell an Reiz, und man wünscht sich den coolen Fury zurück.

Im Vorfeld ging auch die Fangemeinde nicht immer freundlich mit Captain Marvel um. In der zeitlichen, auf Thanos hinstrebenden Abfolge, steht der Film am Anfang. In der tatsächlichen Reihenfolge allerdings bildet er natürlich das Vorspiel zum großen Finale. Dadurch wirkt es unweigerlich ein wenig, als hätte man ihn noch schnell eingeschoben, um eine Lösung für den gesamten Plot zu finden, an der man sich sonst die Zähne ausgebissen hätte.

Ob Captain Marvel unter diesen Vorbelastungen ein guter Film geworden ist? Na ja, er ist zumindest nicht schlecht. Sicher Meilen davon entfernt in die Top 3 der Marvel-Filme der letzten Jahre aufgenommen zu werden, bietet er doch recht solide Superheldenunterhaltung. Action, Humor, eine Heldengeschichte – die Grundzutaten sind zu einem kurzweiligen 2 Stundenstreifen zusammengemixt worden. Ein paar Pluspunkte bekommt er sicher bei der Altersgruppe, die die 1990er aktiv erlebt haben. Die Zeit wird vom Regieteam des Films mit viel Liebe zum Detail dargestellt. Und wer die Musik der Zeit damals – von No Doubt’s „I’m Just a Girl“ bis „Celebrity Skin“ von Hole – mochte, wird an Captain Marvel auch tatsächlich seine Freude haben.

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